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Anerkannte Forschungsstudie: Die Komplexität der Kiefergelenke

Im Laufe der vergangenen hundert Jahre gab es diverse Auffassungen darüber, wie die „richtige“ Positionierung des Unterkiefers definiert werden sollte. Bei den meisten Versuchen, die „zentrische“ Kondylenposition zu definieren, blieb die Rolle der Muskulatur unterbewertet.

Diese Erkenntnis hat Mitte der 80er-Jahre eine Arbeitsgruppe an der Leipziger Universitäts-Zahnklinik zu Folgendem veranlasst: In Zusammenarbeit mit den Anatomischen Instituten der Universitäten Leipzig und Rostock sowie dem Institut für Sportmedizin an der DHfK Leipzig bezogen sie sich auf das Verhalten bestimmter Kaumuskeln und Strukturen der Kiefergelenke im Zusammenhang mit dem okklusalen System.

Intention und Versuchsaufbau

PD Dr. Andreas Vogel (Leipzig) initiierte einen Forschungskomplex mit Tierexperimenten. Als Versuchstier wurde das Miniaturschwein ausgewählt, da es aufgrund seiner Zuchtlinie für die Zahnmedizin international anerkannt ist. Es wurden Kontrollgruppen festgelegt. Die Anzahl der Versuchstiere sowie der Versuchszeitraum waren so gewählt, dass aussagekräftige Resultate zu erwartet werden konnten. (Statistik). Der Versuchsablauf erfolgte standardisiert.

Es wurde untersucht, wie sich eine einseitige okklusale Störung auf die Morphologie der Kaumuskeln auswirkt (okklusale Störung durch zu hohe Gussfüllungen im vierten Prämolaren und ersten Molaren des rechten Oberkiefers).

1. Experiment

Im ersten Experiment wurde die Auswirkung u. a. auch auf m. pteryoideus lateralis geprüft.

Ergebnis: Es zeigte sich, dass sich das Faserspektrum dieses Muskels veränderte und zwar zugunsten der langsamen, für Dauerbelastung bestimmten ST-Fasern. Dies korrespondierte mit den Arbeiten anderer Wissenschaftler und belegte, dass zwischen den morphologischen Merkmalen und den funktionellen Ansprüchen ein direkter Zusammenhang besteht.

2. Experiment

In einer weiteren Versuchsreihe wurden die Auswirkungen der Okklusionsstörung auf das Kiefergelenk untersucht.

Ergebnis: Es zeigte sich, dass auf der nicht gestörten Seite der Discus articularis deutliche Gewebsatrophie aufweist und dass histologische Veränderungen der Kondylen nachzuweisen waren; die Antwort auf die erhöhte Druckbelastung.

Durch die Ergebnisse ermutigt, wurden im Laufe der Jahre weitere Tierexperimente mit interessanten Ergebnissen vorgenommen. Mit den langjährigen Forschungsreihen konnte nachgewiesen werden, dass durch eine rein mechanische Verlagerung des Unterkiefers diverse Reaktionen in Gang gesetzt werden. Diese führen zum Aufbau eines neuen, adaptiven Reflexmusters sowohl der Kaubewegung als auch im Sinne der sogenannten Zentrik. Die Ergebnisse finden sich im habituellen Biss wieder. Resultat ist eine Veränderung der Kaumuskeln selbst. Diese Erkenntnisse haben bis heute nicht an Aktualität eingebüßt.

Fazit für den Praktiker?

Auch im orofazialen Bereich bedarf es objektiver Messmethoden, wie sie in der Medizin seit Jahrzehnten angewendet werden. Nur so kann dem Verhalten des Muskelsystems Rechnung getragen werden. Auf diesen Grundlagen konnte mit AVOSAX ein Konzept zur Bestimmung der Positionierung des Unterkiefers entwickelt werden. AVOSAX: So können die multifunktionellen Kiefergelenkbewegungen mit dem vollständigen Bewegungsraum des Unterkiefers an das Labor übertragen werden.

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